Öffentliche Konzerte

Themenschwerpunkt Chaos

Chaos und Musik passen nicht so recht zusammen, ist jede Musik doch immer irgendwie organisiert und strukturiert und damit im Grunde genommen kein Chaos. Dennoch eignet sich das Thema als inhaltlicher Schwerpunkt für die Ensemble-Akademie: einerseits, weil die Musik im Laufe ihrer Geschichte einem stetigen Wandlungsprozess unterzogen wird und Kritiker ihren komponierenden Zeitgenossen zu allen Zeiten chaotische Zustände vorwarfen. Andererseits, weil immer wieder versucht wurde, das (natürliche, kriegerische, menschengemachte) Chaos in Tönen auszudrücken und das Chaos damit in Klangbilder zu transferieren. Prominentes Beispiel dafür ist der Beginn von Jean-Féry Rebels Suite Les élémens, die im Orchesterkurs des Freiburger Barockorchester erarbeitet wird. Hier erklingt einer der ersten Cluster der Musikgeschichte, wenn sich aus dem Chaos die Elemente bilden. Chaotische Zustände können auch aus Roman Haubenstock-Ramatis so strukturierter grafischen Notation von multiple 5 entstehen, die das ensemble recherche zur Aufführung bringt. Doch kommt das Chaos nicht ohne seinen Gegenspieler, die Ordnung aus: Die Musik besteht in unterschiedlichen Ausprägungen also immer aus wechselnden Zuständen zwischen Chaos und Ordnung, Freiheit und Struktur, sodass in (modernen) Kompositionen aller Zeiten immer wieder das Spiel zwischen den beiden Antagonisten entsponnen wird.

Programm Eröffnungskonzert

Montag, 7.9.2020, 20 Uhr
Mitglieder des Freiburger Barockorchester und des ensemble recherche
Ensemblehaus

Heinrich Ignaz Franz von Biber: Battalia
Francesco Durante: Concerto in A-Dur, «La Pazzia» (der Wahnsinn)
Georg Philipp Telemann, 6 Kanonische Sonaten, Nr. 2 D-Dur (TWV 40:119)
Georg Philipp Telemann, 6 Kanonische Sonaten, Nr. 6 in g-Moll (TWV 40:123)
Roman Haubenstock-Ramati, multiple 5
Gonçalo Gato, Elementos
Vito Žuraj, Ruée